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Verteilerdichtungen J7T Motor PDF Drucken E-Mail

Anleitung zum Wechseln der Verteilerdichtungen beim J7T Motor


Fehlerbeschreibung:

 Frage eines Gastes aus den Forum

Kann mir bitte jemand einen Tipp geben. Verliere Öl beim Verteiler. Dürfte der Simmering sein, da Öl in der Verteilerkappe ist. Verteiler ausbauen war kein Problem. Nur wie bekommt man den Wellendichtring raus?

 

Fehlerbehebung:

Anleitung stammt von Thomas G. aus B. vielen Dank dafür.
Zeitaufwand ca. 45-120 Minuten

Werkzeug:

bild01_hilfsmittel.jpg
 

  • Schraubendreher ca. 5mm, am besten abgewinkelt. Mir leistet da der Winkel mit entsprechendem Bit aus dem voll ausgestatteten Victorinox Swisstool gute Dienste
  • Inbusschlüssel 5 mm (und 4 mm)
  • Schraubendreher ca. 2mm ("Polprüfer") oder kleiner
  • Schlagdorn 2mm
  • AL- oder Kupferrohr ca. 10x2 o.ä.
  • Schraubstock
  • Hammer
 
Material:
 
  • O-Ring Renault-Teilenummer 77 03 065 082, ca. 5,- Teuro oder entsprechender Ring aus dem Fachhandel (40x3, 40mm Innendurchmesser, 3mm Ringstärke)
  • Simmering 10x16x4 mit "Ölriefen" (Laufrichtung) oder entsprechender Wellendichtring für Welle 10 und Bohrung 16 mit max 9 mm Bauhöhe, ebenfalls ca. 5 € (Bild 2)
  • Putzlappen
 
 nützlich:
 
  • Handspiegel
  • Anreißnadel oder Markierstift
  • Bremsenreiniger
  • 2 St. M5x20 Inbusschrauben als Ersatz für die Schlitzschrauben des Verteilerdeckels
 
 Vorbemerkungen:
Vor Beginn sollte der Bereich unter dem Verteiler großflächig abgedeckt werden, damit keine Kleinteile verloren gehen. Aus- und Einbau des Verteilers erfordert "verdecktes Arbeiten", weil der Verteiler an der Rückseite des Motors sitzt und die Befestigungsschrauben nicht ohne Spiegel sichtbar sind. Von allen demontierten Teilen sollte man sich die genaue Lage bzw. Orientierung merken und sie später wieder entsprechend montieren. Die zwei M5x16 Schlitzschrauben des Verteilerdeckels können gegen M5x20 Inbusschrauben gewechselt werden, um späteres Arbeiten am Verteiler zu erleichtern.

Der Simmering (Radial-Wellendichtring), der die Verteilerwelle abdichtet, damit kein Öl in den Verteiler läuft, ist ein etwas selteneres Exemplar (manchmal schämt man sich, was sich die Kollegen bei Renault so geleistet haben....). Die Abmessungen sind 10x16x4 und er ist Laufrichtungsspezifisch. Bei der ungewöhnlichen Paarung 10-er Welle / 16-er Bohrung geht es los. Dann ist die Breite von 4 mm auch etwas klein, wobei die ziemlich egal ist: eingebaut werden kann ein Ring bis 9 mm Breite. Die Laufrichtung wird normalerweise nur bei "Problemdichtungen" verwendet.
In diesem Fall könnte das "Problem" darin liegen, daß die Welle nicht "richtig" gelagert ist, sondern nur per Spielpassung in einer Hülse steckt. Das ergibt ein gewisses Radialspiel und damit droht Undichtigkeit, was vermutlich durch die Laufrichtung (spiralförmig angeordnete Riefen in der Dichtlippe, durch die austretendes Öl bei Drehung der Welle in der vorgeschriebenen Richtung "zurückgefördert" wird, s. Bild) verhindert werden soll.
 
bild02_simmering.jpg
 
Dafür lässt sich der Verteiler allerdings herrlich einfach zerlegen, weil keine Lager ausgepreßt o.ä. werden müssen. Nun könnte man die Bohrung im Gehäuse motorseitig bis zur Lagerhülse der Verteilerwelle aufbohren, damit ein etwas gewöhnlicherer Dichtring passt (z.B. 10x18).
Oder man wendet sich an den Erfinder des Simmerings und besorgt sich dort die Originalgröße. Der Königsweg wäre, die Lagerhülse auszupressen, das Gehäuse mit geeigneten Abstufungen aufzubohren, die Welle mit ebenfalls geeigneten Abstufungen abzudrehen, Ringnuten einzustechen und eine richtig schöne zweireihige Kugellagerung mit einem normgerechten Wellendichtring vorzusehen. Aber das wäre ja schon richtiges Tuning... Ich riskiere, einen "normalen" Simmering, d.h. ohne Laufrichtung, einzubauen. Mal sehen, ob der dicht hält...

Ablauf:
 
  • Ersten Gang einlegen und Handbremse anziehen.
  • Bereich unterhalb des Verteilers großflächig abdecken.
  • Zwei M5 Schlitzschrauben des Verteilerdeckels entfernen, Verteilerdeckel abziehen, wenn nötig entfetten und geeignet im Motorraum "verstauen", ohne Kabel abzuziehen.
bild03_kompletteingebaut.jpg
 
 
  • Position des Verteilerfingers merken. Hierbei ist der Handspiegel hilfreich.
  • Drei M6 Inbusschrauben des Verteilers entfernen (Bild oben) und Verteiler ggf. unter leichter Drehung abziehen.

Nun kann man es sich mit dem ausgebauten Verteiler an der Werkbank gemütlich machen: Verteilerfinger abziehen. Nur im Notfall mit Schraubendreher nachhelfen. Dies kann alternativ bei eingebautem Verteiler erfolgen, da dann der Verteilerfinger unter leichter Drehung abgezogen werden kann, ohne daß sich die Verteilerwelle mitdreht. Die Plastikscheibe zwischen Verteiler und -deckel wird entfernt.
 
bild04_schutz.jpg
 
Bei der späteren Montage des Verteilerdeckels kann diese leicht nerven. Wenn sie weggelassen wird, wird meiner Ansicht nach nichts riskiert. Im motorseitigen Teil des Verteilers befindet sich der Mitnehmer mit 2 Zapfen, die in eingebautem Zustand in entsprechende Nuten der Nockenwelle fassen.
 
bild05_kompletoffeninnen.jpg
 
Da der Mitnehmer leicht -kaum sichtbar- asymmetrisch ist, paßt er nur in einer Position. Um ihn nicht später um 180° verdreht zu montieren, sollte seine Position auf der Verteilerwelle mit Anreißnadel oder Stift markiert werden. In einer ca. 5mm breiten Nut außen am Mitnehmer befindet sich eine Spiralfeder zur Sicherung eines Fixierstifts. Diese Feder wird mit dem kleinen Schraubendreher entfernt.
 
bild06_federstift.jpg
 
  • Der Fixierstift wird mit Schlagdorn und Hammer ausgetrieben. Hierbei sollte der Mitnehmer geeignet (z.B. Weichmetallrohr im Schraubstock) unterstützt werden, damit die Lagerung der Welle nicht belastet wird. Jetzt kann sich der neugierige Nachbar endlich mal nützlich machen, wenn er statt der Bierflasche den Verteiler hält und die Welle am Drehen hindert, während wir Hammer und Dorn bedienen.
  • Der Mitnehmer hat mehrere mm Radialspiel und kann leicht von der Welle abgezogen werden.
  • Die Welle und anschließend der Simmering werden aus dem Gehäuse ausgedrückt (manchmal kommt der Simmering mit der Welle zusammen 'raus) und zwei Scheiben liegen nach der kompletten Demontage auch 'rum.
bild07_verteilerverteilt.jpg
 
  • Der O-Ring wird aus seiner Nut außen am Verteiler mit dem kleinen Schraubendreher entfernt.
  • Alle Teile reinigen, bei Austausch der beiden Schlitzschrauben für den Verteilerdeckel gegen die etwas längeren Inbusschrauben diese zwei- dreimal komplett in die entsprechenden Gewinde einschrauben, um selbige gängig zu machen. Verteilergehäuse innen verteilerfingerseitig sowie den Verteilerfinger entfetten.
  • Neuen Simmering mit Motoröl benetzen und in das Gehäuse eindrücken, ohne ihn zu verkanten.
  • Neuen O-Ring montieren.
  • Erste Scheibe auf Verteilerwelle schieben.
  • Verteilerwelle vorsichtig in Verteilergehäuse einschieben. Dichtlippe des Simmerings nicht beschädigen!
  • Zweite Scheibe auf Verteilerwelle schieben.
  • Mitnehmer in korrekter Position in Bezug auf die Nut in der Welle für den Verteilerfinger aufsetzen und Fixierstift eintreiben (gegenhalten, s.o.).
  • Spiralfeder montieren.
  • O-Ring mit Motoröl benetzen und Verteiler mit den drei M6 Inbusschrauben und U-Scheiben am Zylinderkopf montieren.
  • Plastikscheibe aufsetzen (Nase in Nut) und Verteilerfinger mit sauberen Händen montieren. Wenn er nicht so sitzt wie vor der Demontage wurde vorher nicht aufgepaßt oder die Nockenwelle verdreht.
  • Verteilerdeckel mit den zwei (ggf. neuen) Schrauben und U-Scheiben montieren.
  • Abdecktuch entfernen.
  • Probestart...

Ferig. 
 
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